Warum ein Klavier kein Schrank ist
Ein Klavier wiegt je nach Bauart zwischen rund zweihundert und dreihundertfünfzig Kilogramm, ein Flügel deutlich mehr. Entscheidend ist aber nicht das Gewicht, sondern seine Verteilung. Der Gussrahmen mit den Saiten sitzt im Oberkörper des Instruments, der Schwerpunkt liegt daher hoch und weit hinten. Ein Klavier kippt deshalb nach hinten, sobald man es nach vorn neigt, und zwar schneller, als eine ungeübte Person reagieren kann.
Hinzu kommt, dass die Außenteile den Kräften nicht gewachsen sind. Deckel, Notenpult, Klaviaturklappe, Pedallyra und Beine sind angeschraubt und nicht tragend. Wer ein Instrument an der Pedallyra oder am Deckel anhebt, reißt genau diese Teile heraus. Getragen wird ausschließlich am Korpus, und zwar an Punkten, die vorher festgelegt und bei jedem Bauartunterschied neu bestimmt werden. Das ist der Grund, warum wir vor dem ersten Griff einmal um das Instrument herumgehen und die Griffpunkte absprechen.
Der dritte Punkt ist die Empfindlichkeit im Inneren. Mechanik, Hämmer und Dämpfer sind fein justiert und vertragen Stöße schlecht. Ein hartes Absetzen auf einer Treppenstufe ist für die Mechanik schlimmer als eine lange Fahrt über schlechte Straßen. Deshalb wird ein Instrument nie abgesetzt, ohne dass eine gepolsterte Unterlage darunter liegt, und deshalb tragen mindestens zwei Kräfte, oft mehr. Wie viele es werden, entscheidet die Bauart des Instruments und nicht die Zahl der Stufen.
Gurtwerk, Rollbrett und wie wir tragen
Die Ausrüstung für ein Instrument ist eine andere als für Möbel. Traggurte nehmen das Gewicht auf die Schultern statt auf die Finger, sodass die Hände nur noch führen und nicht mehr halten müssen. Auf ebenen Strecken kommt das Instrument auf ein Rollbrett, weil Rollen weniger Fehler verzeihen müssen als Hände. Eine dick gepolsterte Klavierdecke schützt Lack und Kanten, darüber liegen Gurte mit Kantenschutz.
Über Treppen wird nicht gerollt, sondern getragen, Stufe für Stufe, mit einer Person, die ausschließlich beobachtet und ansagt. Diese Person trägt nichts. Sie sieht die Stufe, die Kurve und den Handlauf, und sie ist der Grund, warum es keine Überraschungen gibt. Bei abwärts führenden Treppen geht das Instrument mit der schweren Seite nach oben, damit das Gewicht gegen die Bewegung arbeitet und nicht mit ihr.
Im Fahrzeug steht ein Klavier aufrecht an der Bordwand, verzurrt gegen seitliches Kippen, auf einer rutschfesten Unterlage. Ein Flügel wird auf die gepolsterte Flügelschräge gelegt, nachdem Beine und Lyra abgenommen wurden, und einzeln verpackt transportiert. Beides ist Routine, sobald vorher klar ist, um welche Bauart es geht. Genau deshalb fragen wir bei der Anmeldung nach Hersteller, Höhe und Alter des Instruments.
- Traggurte, damit das Gewicht auf den Schultern liegt
- Rollbrett für alle ebenen Strecken
- Gepolsterte Klavierdecke über Lack, Kanten und Klaviatur
- Kantenschutz unter jedem Spanngurt
- Rutschfeste Unterlage im Wagen, aufrecht an der Bordwand
- Bei Flügeln: Beine und Pedallyra ab, Transport auf der Flügelschräge
Treppen, enge Kurven und der Möbellift
Die häufigste Hürde ist nicht die Zahl der Stufen, sondern die Kurve im Treppenhaus. Ein gerader Lauf mit zwanzig Stufen ist einfacher als ein Halbpodest mit einer engen Wendung, weil das Instrument in der Kurve gedreht werden muss, während es bereits schräg steht. Messen Sie im Zweifel die Breite der engsten Stelle und die Höhe unter dem Treppenauge, dann können wir vorab sagen, ob der Weg reicht.
Wenn der Weg nicht reicht, kommt der Möbellift. Er kostet ab 179 Euro bis in die vierte Etage und arbeitet über das Fenster oder den Balkon. Für ein Instrument ist er oft nicht nur die sichere, sondern auch die günstigere Wahl, weil er Stunden mühsamen Tragens ersetzt. Voraussetzung ist eine Aufstellfläche vor dem Haus, die frei bleibt. Genau dafür beantragen wir bei Bedarf eine Halteverbotszone.
Die Halteverbotszone kostet ab 59 Euro an einer Anschrift und ab 89 Euro an beiden. Den Antrag übernehmen wir, damit Sie sich damit nicht befassen müssen. Wie viel Vorlauf die zuständige Stelle braucht, klären wir für Ihre Anschrift. Was Sie beisteuern können: rechtzeitig Bescheid geben, wenn ein Instrument im Spiel ist, denn Lift und Zone lassen sich nicht am Vorabend organisieren.
Der Ablauf eines Instrumententransports
Ein Klaviertransport wird anders vorbereitet als ein Möbeltransport, weil mehr vorher feststehen muss und weniger vor Ort improvisiert werden kann. Die Besichtigung ist hier keine Formsache, sondern der Kern der Planung: Wir sehen uns das Instrument, den Weg hinaus und den Weg hinein an, und daraus ergibt sich, wie viele Kräfte kommen und ob ein Lift gebraucht wird. Ohne diesen Blick lässt sich weder die Zahl der Kräfte noch der Preis seriös nennen.
Zeitlich planen wir ein Instrument großzügiger als ein Möbelstück, weil sich hier nichts beschleunigen lässt, ohne dass das Risiko steigt. Ein Klavier aus dem Erdgeschoss ins Erdgeschoss ist an einem Vormittag erledigt. Kommen zwei Treppenhäuser, eine enge Wendung und ein Möbellift dazu, wird daraus ein halber Tag. Wir nennen Ihnen die geschätzte Dauer vorher, damit Sie den Rest des Tages entsprechend legen können.
- Anmeldung mit Bauart, Hersteller, Höhe und beiden Etagen
- Besichtigung: Instrument, Treppenhaus, Türen, Kurven, Stellfläche
- Entscheidung über Kräfte, Rollbrett und gegebenenfalls Möbellift
- Bei Bedarf Halteverbotszone beantragen, Termin bestätigen
- Am Tag: Deckel und Klappe sichern, Decke anlegen, Gurte setzen
- Tragen mit ansagender Person, verladen, aufrecht verzurren
- Am Ziel aufstellen, ausrichten, Decke abnehmen, Stellprobe
Stimmung und die Zeit nach dem Transport
Ein Instrument verstimmt sich beim Transport, und daran lässt sich nichts ändern. Der Grund ist weniger die Erschütterung als der Wechsel von Temperatur und Luftfeuchte. Holz arbeitet, der Resonanzboden ändert seine Wölbung minimal, und schon stimmen die Saitenspannungen nicht mehr. Das ist normal und kein Schaden. Erwarten Sie also nicht, dass das Klavier am neuen Ort sofort so klingt wie vorher.
Üblich ist, dem Instrument einige Wochen Zeit am neuen Standort zu geben, bevor es gestimmt wird. Vorher gestimmt zieht es meist wieder nach, weil sich das Holz noch an das neue Raumklima anpasst. Den Stimmtermin vereinbaren Sie mit einem Klavierbauer, das gehört nicht zu unserer Arbeit. Wir sagen es nur deshalb dazu, weil sonst zweimal gestimmt und zweimal bezahlt wird.
Für den Standort selbst gilt: nicht direkt an eine Außenwand, nicht vor die Heizung, nicht in die pralle Sonne. Ein Platz mit gleichmäßiger Temperatur und mittlerer Luftfeuchte hält die Stimmung deutlich länger. Sagen Sie uns beim Aufstellen, wo das Instrument stehen soll, dann setzen wir es gleich an den richtigen Platz, statt es später ein zweites Mal zu bewegen. Zweimal aufzustellen kostet nicht nur Zeit, sondern setzt Lack und Mechanik ein zweites Mal denselben Risiken aus.